Vogel des Jahres 2017



Presse: Neue Düngeregelungen betreffen auch Cross-Compliance















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NABU Willich

Ortsverein Willich publiziert von Harry Abraham

Das selbstgemachte Paradies

Den meisten von Ihnen dürfte die Geschichte vom biblischen Paradies bekannt sein. In diesem so genannten „Garten Eden“ lebten Adam und Eva in vollkommenem Einklang mit der Natur, bis schließlich ein Fehltritt Evas zur Vertreibung aus dem Paradies führte.

Aber was taten die Menschen, als sie ihre alte Heimat verloren hatten? Sie gingen hinaus in die Welt und erschufen ganz einfach Schritt für Schritt ihr eigenes Paradies, bis wir nach Jahrtausenden kultureller Entwicklung beim heutigen Stand angekommen sind: Ein gemütliches Eigenheim mit Vorgarten ist der ganz private „Garten Eden“. Dieser bietet nun den Rahmen für die eigentliche Thematik, um die es gehen soll.

Dabei möchte ich meine Ansichten im Folgenden nicht aus religiöser Sicht schildern, wie der Einstieg vielleicht vermuten lässt. Er liefert nur – wie ich persönlich finde – ein sehr schönes Bild. Von einem Geben und Nehmen. Von Harmonie und Einklang. Von leben und leben lassen.
Offenbar ist etwas Derartiges tatsächlich seit langem Geschichte – oder war nie mehr als das.

Foto Finn WagnerNun aber zur alltäglichen Welt. Viele Leute haben einen oder vielleicht auch mehrere Nistkästen in ihrem Garten hängen, das klassische Symbol des Naturschutzes vor der eigenen Haustür. Ohne Zweifel eine wunderbare Sache mit mehreren Vorzügen. Zum einen ist man hautnah bei der Jungenaufzucht von Meise & Co dabei und kann vielleicht den eigenen Kindern die Natur ein Stück weit näher bringen. Zum anderen hat man die Gewissheit, etwas Gutes für die Umwelt getan zu haben.

Trotzdem vergisst so manch einer eine nicht unwesentliche Sache: Auch der beste und größte Nistkasten nützt nichts, wenn ringsherum keine Lebensgrundlage geboten wird, also vor allem Nahrungs- und Versteckmöglichkeiten. Dabei gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass die Optik der größte Feind eines lebendigen und artenreichen Gartens ist. Eine durch und durch konstruierte Grünanlage mit aufs Kürzeste geschnittenem Rasen und „Unkraut“- freien Beeten erfreut nun mal das Auge des Betrachters – und lässt den Nachbarn vor Neid erblassen.
Ein Nistkasten in einem derartigen Umfeld wirkt jedoch nur trostlos.

Natürlich ist die ganze Situation sehr überspitzt dargestellt. Jemand, der einen Nistkasten aufhängt, hat wahrscheinlich grundsätzlich etwas für die Natur übrig. Aber auch viele Naturinteressierte wissen nicht, wie viel einfache Maßnahmen schon bewirken können. Damit meine ich nicht, dem Garten beim Verwildern zuzusehen; nein, das wichtigste Stichwort lautet in diesem Zusammenhang Strukturvielfalt.

Lässt man mal hier und da eine Ecke stehen, in der das Gras höher und so genanntes Unkraut überhaupt wachsen darf, haben beispielsweise die Raupen zahlreicher Schmetterlinge, die sich auch von Brennnesseln ernähren, eine Nahrungsgrundlage. Findet man einen Bereich, in dem Totholz gestapelt werden kann, liefert man hunderten von verschiedenen Insekten und Spinnentieren ein Zuhause, die im stark verflechteten Netzwerk der Natur wiederum die Nahrung von unzähligen anderen Tieren wie Igeln sind

Hornisse am WildbienenstandEin Komposthaufen hätte sehr ähnliche Folgen: Leben in jeder Schicht. Falls sich tatsächlich noch Eidechsen in der Umgebung aufhalten, würden diese mit etwas Glück einen kleinen Steinhaufen in Ihrem Garten finden, der mindestens als Tagesunterschlupf, wenn nicht sogar als ständiges zu Hause dienen könnte. Auch ohne Reptilien profitieren alle möglichen Insektenarten oder Kröten von einem Steinhaufen bzw. einer Steinmauer. Wer grundsätzlich die Anwesenheit von Amphibien ermöglichen will, schafft dies – wenn es die Gegebenheit erlaubt – am besten mit einem Teich.

Baumscheiben, die mit gebohrten Löchern versehen und senkrecht aufgehängt worden sind, dienen als Eiablage-Ort von Wildbienen (welche im Übrigen nicht stechen oder sich von Zucker anlocken lassen wie die Gemeine Wespe!). Ein sandiger Fleck im Garten erlaubt Spatz und Zaunkönig, ein Sandbad für die Körperhygiene zu nutzen und da wir gerade bei der Vogelwelt sind, möchte ich noch einmal auf die Nistkästen zu sprechen kommen: Abgesehen vom „Standard-Nistkasten“ für Meisen gibt es auch hier eine große Vielfalt, denn Nistkasten ist nicht gleich Nistkasten. Es gibt Nistkästen für Gartenrotschwanz und Gartenbaumläufer, für Rotkehlchen und Zaunkönig, für Mauersegler und sogar für größere Vögel wie dem Turmfalken – wobei jeder Kasten der Lebensweise der jeweiligen Art angepasst ist.
Nicht zu vergessen sind die Fledermauskästen, die – gekauft oder selbst gebaut – einen guten Ersatz bieten für die durch Sanierungsarbeiten immer weniger werdenden Unterschlüpfe für Fledermäuse.
Das optisch Ansprechende eines Gartens (was natürlich auch nicht zu kurz kommen darf, denn man selbst soll ja auch etwas davon haben) muss nicht zwingend durch allerlei Exoten erreicht werden, die kaum einen ökologischen Nutzen haben. Auch viele heimischen Bäume, Sträucher, Blumen und Kräuter haben je nach Jahreszeit fantastische Farben und können Heimat aller möglichen Tiere werden. Und wer auf Gifteinsatz im Garten verzichtet, nimmt vielleicht in Kauf, dass seine Rosen etwas weniger intensiv blühen als üblicherweise, aber ich persönlich finde, das bunte und lebendige Treiben ringsherum ist mehr als eine Entschädigung dafür.

Die erwähnten Möglichkeiten, wirklichen Naturschutz vor der eigenen Haustür mit kleinen Umgestaltungen zu betreiben, sind nur einige wenige Beispiele, die eines verdeutlichen sollen: Meiner Meinung nach ist es möglich, einen Kompromiss zu finden. Einen Kompromiss zwischen den eigenen Ansprüchen und Vorstellungen, wie ein Garten auszusehen hat und den existenziellen Bedürfnissen unserer lebenden Umwelt.

Der Idealfall wäre natürlich, dass man die Naturschutzmaßnahmen überhaupt nicht als Kompromiss empfindet, sondern dass der eigene Garten erst zum selbst gemachten Paradies wird, wenn er für eine Menge anderer Arten auch zu einem kleinen Paradies geworden ist.
Pfauenauge1Garten
Manuel Püttmanns

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