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NABU Willich

Ortsverein Willich publiziert von Harry Abraham

Das Mützenicher Hohe Venn

Hohes Venn1Es war zwar kein sonniger Tag, aber für eine Moorlandschaft genau das richtige Wetter. Unter Leitung von Christoph Keßler aus Jülich (Naturwanderführer) unternahm der NABU – Willich eine Wanderung durchs Mützenicher Hohe Venn.
Nach einer kurzen Sicherheitsbelehrung über Brandgefahr im Moor ging es auch schon los.

Hohes Venn2

 

 

 

Das Hohe Venn ist vor ca. 12000 Jahren in der letzten Eiszeit entstanden. Es hat Jahrtausende gebraucht um zu entstehen und wurde innerhalb weniger Jahrzehnte vom Menschen stark verändert. Das Venn ist heute Naturschutzgebiet und in Naturschutzzonen eingeteilt.
Die Zone B in diesem Naturschutzgebiet Grünklosterberg auf belgischer Seite, war unser Ziel.

Hohes Venn3Bretterpfade führen uns durch das Brackvenn zu einem Palsen.
Palsen sind Reste von eiszeitlichen Hügeln, umgeben von ringförmigen Wällen, die einen Weiher umschließen. Diese Palsen hat man in den fünfziger Jahren angestochen und Entwässerungsgräben gezogen, um dieses Gebiet mit Fichten aufzuforsten.

Bereits im 19. Jahrhundert führten die Preußen die Fichte als Forstbaum im Venn ein, was auf großen Widerstand der Bevölkerung stieß, denn die Anwohner wollten ihren Torfabbau nicht aufgeben. Die Einheimischen nannten die Fichte daraufhin „Prüsseboom“ (Preußenbaum)
In Gebieten wo die Torfschicht mehrere Meter dick war wuchs die Fichte nicht und so blieb das Moor dort erhalten.

Zum Glück sieht man das Moor heute von einer ganz anderen Seite und erkennt dieses biologische Juwel als Naturschutzgebiet. Durch Renaturierung wird versucht den Schaden wieder gut zu machen.
Man begann das Venn großflächig von Fichten zu befreien und schloss auch wieder die Entwässerungsgräben. So bietet das Mützenicher Venn auch seltenen Schmetterlingen wie dem Hochmoor – Perlmutterfalter einen Lebensraum. Ebenso breiteten sich Wollgras, Segge und Glockenheide aus.

Hohes Venn6

 

Von diesem gut 8 Meter hohen Aussichtsturm hatte man einen sehr schönen Blick über das herbstliche Venn. Interessant war das „Baumtelefon“ welches unterhalb des Aussichtturmes lag. Es bestand aus einem dicken Baumstamm mit folgender Beschriftung.

Anschließend wanderten wir an Wiesen vorbei ,die früher mit niedrigen Hecken umgeben waren. Leider werden diese Hecken heute nicht mehr gepflegt. Bäume ragen dort jetzt empor, denn es lohnt sich für die Bauern nicht, die Bäume auf „Stock“ zu setzen.

Weiter ging es zu einem großen Findling um den sich viele Geschichten und Legenden ranken. Eine Geschichte die uns Herr Keßler erzählte ging so: Der Sage nach hat Kaiser Karl als er sich auf einem Jagdausflug mit seinem Gefolge ins Venn verirrte, auf dem großen Stein sein Nachtlager aufgeschlagen. Als er am nächsten Morgen aufwachte suchte er nach seiner Mütze die er nicht finden konnte. Ein Diener bot ihm seine Mütze an, da er um die Gesundheit des Kaisers besorgt war, denn es war kalt in der Eifel. Doch der Kaiser gab die Order: „Mütze nich“ Und schon hatte das Dorf Mützenich seinen Namen weg.

Hohes Venn8

 

 

 

Der Quarzitblock, etwa 10 Meter von der Grenze zu Belgien entfernt, ist gut fünf Meter lang und zwei Meter breit.

Neben ihm liegt noch ein zweiter Findling, er wirkt wie die kleine „Schwester“ des großen eckigen Blocks und ist rund 600 Millionen Jahre alt. Die auffälligen Steine werden bereits 1205 als Grenzsteine des Territoriums von Reichenstein erwähnt.

Weiter geht es in Richtung Belgische Grenze. Wir folgen einem Stück dem Grenzverlauf um dann ins Imgenbroicher Venn Richtung Hahnestreck zu gehen. Die Hälfte des 3 Stunden Rundweges haben wir jetzt hinter uns. Uns begleitet ein Bächlein mit dunkelbraunem, torfhaltigem Wasser.

An der Strecke finden sich immer wieder Spuren, die der Biber hinterlassen hat. Diese Tiere faszinieren die Menschen schon seit langer Zeit durch ihre Baukünste und ihren Fleiß. In diesem Fall trägt er maßgeblich zur Renaturierung des Venn bei, da er Staudämme baut und somit das Wasser zurück hält.

Hohes Venn10

Erstaunlich ist dass er das Wasser nur staut wenn sein Lebensraum im Wasser kleiner als 50 cm ist. Etwas aufwärts in diesem kleinen Rinnsaal, hat das Bieberpärchen ihre Burg gebaut. Leider bekamen wir keinen zu sehen, denn Biber sind sehr scheu und meistens in der Dämmerung aktiv.

Wir überqueren den Getzbach und über Stege geht es jetzt wieder ins Venn hinein. Rechts und links sehen wir üppige Polster von Frauenhaarmoos. Diese Frauenhaarmoose speichern sehr viel Wasser und wachsen auf abgestorbenen Pfeifengräsern in Form von halbrunden Kuppeln. Torfmoos ist in der Lage, ungefähr das 10fache seines Eigengewichtes an Wasser zu speichern.
Teilweise müssen wir uns sehr auf die Stege durchs Moor konzentrieren, denn sie sind glatt um diese Jahreszeit.

Hohes Venn12

Ab und zu fehlt ein Stück oder Stufen verlangen dass man erst an Haltepunkten seinen Blick schweifen lassen kann. Wir durchqueren den Nathsief und sind dann nach gut 3 Stunden wieder am Parkplatz angekommen.

Eigentlich habe ich jetzt Appetit auf ein Stückchen Kuchen und eine Tasse Kaffee, denn frische Luft macht hungrig und sitzen wäre auch ganz schön. Aber anscheinend bin ich der Einzige der so fühlt denn Herr Keßler möchte uns noch gerne das „Königliche Torfmoor“ zeigen, welches südlich der Monschauer Strasse auf belgischem Gebiet liegt. Der verkürzte Rundwanderweg dauert 1,5 Stunden. Also auf geht´s.

Das „Königliche Torfmoor ist ein für Europa einzigartiges Hochmoorgebiet. Es wurde in vergangener Zeit wegen seiner Lebensfeindlichkeit gemieden. Neben Torfabbau und Forstwirtschaft gab es kaum Nutzungsmöglichkeiten. Heute gibt es gute breite Wanderwege und Holzstege. Für den Tourismus ist es gut erschlossen und Hochmoorflächen ohne Bäume üben einen ganz besonderen Reiz aus.

Hier hat man mit schwerem Gerät Palsen, die das Wasser zurückhalten gebaut, um dem Hochmoor seinen ursprünglichen Zustand zurückzugeben. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Narben des Eingriffs verschwunden sind.

Die Torflagen sind hier noch sehr dick und Herr Keßler zeigte uns eine Stelle, an der man einen Abstich gemacht hat, um die Schichten gut sehen zu können. Im Venn ist das Hochmoor noch aktiv: Das Moor wächst in die Höhe (allerdings nur 1 Millimeter im Jahr) und begräbt und erstickt dabei alles unter sich und lässt es so zu Torf werden. Die Torfschichten im Venn sind über sieben Meter dick, das bedeutet, sie reichen bis zu 7.000 Jahre zurück.

Hohes Venn16

 

Diese Lebensräume sind seit dem 17. Jahrhundert schwer beschädigt worden:
Abbau von Torf, Trockenlegung des Bodens, unangemessene Bepflanzung mit Fichten, extreme Ausbreitung von Pfeifengras schädigten das Hochmoor. Das LIFE-Projekt von 1992 Hohes Venn zielt hauptsächlich auf die Renaturierung dieser Heiden und Moore ab.

Zum Schluss verabschiedete uns sogar noch die untergehende Sonne von dieser schönen Wanderung. Einen herzlichen Dank an Christoph Keßler, der uns durch diese einmalig schöne Landschaft führte.

Mehr auf NABU.de: „Torf gehört ins Moor

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