Vogel des Jahres 2017



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NABU Willich

Ortsverein Willich publiziert von Harry Abraham

Viele Tiere haben bei der Kälte Probleme bei der Nahrungsbeschaffung

Dass Störche am Anfang des Jahres in Deutschland zu sehen sind, kommt hin und wieder vor. Der recht warme Dezember und die milden Temperaturen im Januar waren keine große Herausforderung für die Tiere. Solange der Boden nicht gefroren war, konnten selbst außergewöhnliche Wintergäste, wie die Störche, gut über die Runden kommen. Als allerdings recht plötzlich die Kälte kam, konnten viele dieser Vögel nicht mehr gen Süden durchstarten.

Sie sind nun auf die Hilfe tierliebender Menschen angewiesen.
Auch unsere einheimischen Singvögel leiden, denn sie verlieren nachts sehr viel Energie durch die Kälte und sterben, wenn sie morgens nicht schnell eine rettende Futterstelle finden. Der Eisvogel hat es besonders schwer, denn seine Nahrung – die Fische – sind unter der Eisdecke und er verhungert, wenn er nicht mehr an sei Futter kommt.

Bussarde und Graureiher haben ebenfalls das Nachsehen. Auf den Feldern, wo sie noch vor kurzem Regenwürmer zupfen konnten oder ein paar Mäuse erbeuteten, ist jetzt alles zugefroren und der Boden ist steinhart. Und auch der Storch sucht sein Glück auf den Feldern. Die eiskalten Nächte zehren an den letzten Kräften und manch ein Tier hat sich verschätzt und den Abflug in den rettenden Süden verpasst.

Die beiden Störche aus Willich/Neersen zeigten kaum noch Scheu vor den Menschen und einige Tierliebhaber hatten schon längst erkannt, dass die beiden wohl sehr hungrig waren. Doch was kann man einem Storch zu futtern geben?

Womit kann man einen Storch füttern?
Hunde- oder Katzenfutter oder gar Kochabfälle sind – trotz oft anders lautender Aussagen – keine Lösung für Störche und andere Wildvögel. Derartiges Futter kann zu Verdauungsstörungen führen und macht krank. Bei geschwächten Tieren kann das fatal ausgehen. Man kann Störche relativ leicht mit Eintagsküken (oder Mäusen) füttern. Diese Küken lassen sich bei Brütereien, Zoos, Reptilienläden oder auch im Internet besorgen. Es handelt sich hierbei nicht um lebende Tiere, sondern um bereits eingefrorene, die aufgetaut verfüttert werden können. Störche akzeptieren Küken sofort als Futter, wenn sie diese angeboten bekommen.

Der Storch, der bereits eingefangen wurde, ist laut dem Ringkennzeichnung, ungefähr sechs Jahre alt. Nach der Einlieferung in die Tierarztpraxis Sudhoff (Vogel-Spezialist) kam der Storch zunächst auf die große Hundewaage. Es ist wichtig zu wissen, wie stark das Tier abgemagert ist. Dieser große Vogel brachte gerade mal 3,3 kg auf die Waage und befindet sich dabei in keinem guten Ernährungszustand.

Untersuchungen in der Tierarztpraxis
Storch8Insbesondere bei der Kälte, wird bei eingelieferten Wildvögeln zuerst die Körpertemperatur gemessen. Dies funktioniert mit einem Fieberthermometer aus der Humanmedizin. Patient Storch hatte eine Körpertemperatur von 41,1 °C, dabei handelt es sich aber nicht um Fieber, sondern um eine für Vögel völlig normale Temperatur. Ein leichter Parasitenbefall im Gefieder wird behandelt, ist nur halb so schlimm, da es sich um gewöhnliche Federlinge handelt.

Vorerst ist der Vogel stationär in der Praxis untergebracht und muss als nächstes eine „Kotprobe abgeben“. Denn bei geschwächten Tieren können bakterielle Infekte sowie Parasitenerkrankungen massiv an der Gesundheit nagen. Seit langer Zeit konnte sich der Patient in der ersten warmen Nacht gründlich entspannen und zur Ruhe kommen.

Transport und Handling bei Storch und Reiher
Storch9Zuletzt ein paar Tipps, wie man diese hochbeinigen Tieren am besten behandelt und verpackt, um sie zum Beispiel zu einer Pflegestation oder einem Tierarzt zu bringen.
Bei Störchen und Reihern ist große Vorsicht vor dem langen Schnabel geboten, denn dieser ist die Waffe zum Erbeuten der Nahrung. Daher beherrschen die Tiere den zielsicheren Umgang damit. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Vögel bei Rettungsaktionen ihre Helfer an Gesicht und Augen verletzen. Beim Fang des Tieres sollte man sofort den Schnabel festhalten und sichern. Die Schnabelspitze muss entschärft werden. Das funktioniert recht einfach mit einer Dichtung (Schaumummantelung) für Rohre.

Sowohl der Transport als auch die nachfolgende Untersuchung mit Schnabelschutz verläuft so ganz ungefährlich für alle Beteiligten.

Die großen Flügel der Tiere sollten schnellstmöglich am Vogel festgehalten werden (in der Regel hilft eine weitere Person), da es sonst wirklich schwierig wird das Tier festzuhalten. Sie können mit den Flügelschlägen unheimlich Kraft ausüben. Wenn dann ein hochbeiniger Vogel einmal sitzt, wird man staunen, wie klein er auf einmal ist bzw. wirkt. Einmal „eingeklappt“ passt jeder Storch in einen großen Umzugskarton. Doch bevor der Karton oben geschlossen wird, sollte der Schnabelschutz wieder entfernt werden.
Leider haben wir nun mehrfach die Erfahrung machen müssen, dass Reiher und Störche mit vollem Kropf und Stress beim Transport, uns die gesamte Futterportion wieder vor die Füße gelegt haben. Es ist daher durchaus realistisch, dass so ein Tier beim Transport quasi sein gesamtes Futter wieder „ausreihert“. Genauso verlief es auch in dem oben beschriebenen Fall mit unserem Patienten.
Storch10
Aber alles ist gut gegangen und wie man sieht, schmeckt es dem Storch schon wieder.
Vielen Dank an die Tierfreunde die sich für die Rettung des Storches eingesetzt haben.

Neuste Meldung vom 13.3.2012

Der Storch ist am 13.3.2012 mit unbekantem Ziel aus dem Flöthbach weggeflogen.

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